Dollar hat geschrieben:
zum fan-projekt/fan-abteilung:
am anfang hieß es, dass ein fan-projekt mit 90.000€ finanziert würde und zwar 30.000€ stadt, 30.000€ land und 30.000€ dfb. da aber, so viel ich weiß, die stadt dabei nicht mitmacht kommt ein fan-projekt in ks erstmal nicht zustande. also gibt es jetzt "nur" eine fan-abteilung und für diese gibt das land jetzt diese genannten 10.000€. so hab ich das ganze bisher verstanden, aber vllt kann da ja ulath oder jemand anderes von der abteilung genaueres schreiben
Sachlage präzise zusammengefasst, Doller. Genau so ist es. Obwohl Land und DFB (übrigens auch die aktiven Fans) gern ein Fanprojekt in Kassel installiert hätten, kommt es nicht zum Fanprojekt, weil die Stadt die Sinnhaftigkeit nicht sieht.
Leider ist das mit den 10.000 Euro auch etwas verwirrend: das Geld wird zwar in die Fanabteilung investiert, jedoch ist die Aufgabe der Abteilung Herzblut nicht, die Aufgaben eines Fanprojekts zu übernehmen. Kann sie auch gar nicht, da sie
1.) nicht unabhängig vom Verein ist (es ist ja eine Abteilung wie auch der Nachwuchs, die Frauenmannschaften, die 1.Mannschaft etc.)
2.) keinerlei Personal für die sozial-pädagogische Arbeit hat, die ein Fanprojekt leisten kann.
Die einzige Auswirkung, die, vor allem dank Jens, die Sache hat, ist, dass der sozialpädagogische Fanbetreuer (Gonzo) mehr Stunden im Monat bezahlt bekommen soll. Wichtig dabei: Nicht von den 10.000 Euro des Landes, sondern aus Mitteln des Jugendamtes. Zum Verständnis: wir sprechen hier von ein paar hundert Euro im Jahr !!
Grundsätzlich ist es eine gute Sache, dass die Fanabteilung ein festes Budget, in diesem Fall aus Landesmitteln hat, da viele Aktionen und Arbeiten der Abteilung so finanziert werden können. Ich persönlich denke auch: lieber erstmal 10.000 Euro plus die Aufstockung für den Sozialarbeiter haben und damit arbeiten können, als gar keine Unterstützung. Allerdings darf man eine wichtige Sache nicht vergessen: allerspätestens mittelfristig muss in Kassel ein Fanprojekt installiert werden! Das hat nichts damit zu tun, wie einige in Presse oder im Forum vermutet haben, dass die "Randalierer auch noch bemuttert werden sollen", sondern vielmehr mit zwei wichtigen Faktoren.
1. eine große soziale Gruppe Jugendlicher/junger Erwachsener direkt dort betreuen können, wo es notwendig ist. Wir alle wollen weniger Kriminalität, besser Chancen für die Jugendlichen und eine kompetente Betreuung, damit die Kids nicht "auf der Straße" rumgammeln. Diese Arbeit teilt sich, was die Zielgruppe angeht, in verschiedenste Bereiche auf: christliche Jugendarbeit, Musikpädagogik, Mr. Wilson oder Freestyle etc. Ein großer Bereich sind die Jugendlichen beim Fußball. Und die Anzahl ist dabei nicht zu unterschätzen. Wir sprechen hier nicht von ein paar Kids, sondern wirklich einer ordentlichen Zahl, die neben dem Stadionbesuch auch einen Ort brauchen, an dem sie sich zurückziehen können und Hilfe bekommen, wenn es nötig ist. Das Angebot eines Fanprojekts übernimmt genau diese Aufgabe. Neben der sozialen Betreuung gibt es dort verschiedenste Angebote, von Hausaufgabenhilfe oder gemeinsamen Projekten bis zu so einfachen Dingen wie gemütliche Treffs. Keiner von uns wird abstreiten, dass so ein Angebot immens wichtig ist!
2. der Wirtschaftsfaktor. Natürlich ist, blauäugig gesehen, soziale Arbeit nicht mit Wirtschaft verbindbar. Ich denke aber trotzdem, dass man sich ein paar Zahlen bewußt machen sollte, wenn man über die Gründung eines Fanprojekts nachdenkt. Von den anvisierten 90.000 Euro, die ein Fanprojekt pro Jahr braucht (zu den Kosten zählen z.B. 1-2 Sozialpädagogenstellen, Räumlichkeiten, Material, ein Transportmittel wie VW-Bus), zahlt der DFB 30.000 Euro, das Land 30.000 Euro und die Stadt 30.000 Euro. Wobei hier noch zu bedenken ist, dass der DFB überlegt, seinen Anteil zu erhöhen. Bleiben wir aber bei der Aufteilung. Die Stadt müsste also pro Jahr 30.000 Euro zahlen, um ein soziales Projekt zu unterstützen, dass sich um, ich nehme mal eine mögliche Zahl, ca. 50-80 Jugendliche kümmert. Rechnet man das, spaßeshalber mal um, wäre das eine Investition von ca. 430 Euro pro Jugendlichem im Jahr. 35 Euro im Monat. An dieser Stelle muss man einfach die Frage stellen, ob es irgendwie anderweitig möglich ist, für eine große, soziale Gruppe so günstig kompetente Betreuung und vor allem einen Ort anzubieten, an dem die Jugendlichen die Möglichkeit haben, sich zurück zu ziehen, Hilfe zu bekommen oder auch Perspektiven aufgezeigt zu bekommen.
Als kleines Fazit: Die Abteilung Herzblut als Fanabteilung ist sehr wichtig und eine absolut notwendige Sache in unserem Verein. Auch die Unterstützung des Landes ist sehr angenehm und ich persönlich freue mich sehr, Dinge mit der Abteilung in Bewegung setzen zu können, ohne den Vorstand jedesmal für ein paar Euro anbetteln zu müssen.
Dennoch darf man eines nicht vergessen: Eine Fanabteilung ist nicht mit einem Fanprojekt zu vergleichen, da es grundverschiedene Dinge sind. Und beides ist in Kassel notwendig. Im Sinne der Finanzler gibt es so schnell keine Möglichkeit, kostengünstiger Jugendbetreuung anzubieten, im Sinne der "normalen" Fans und Stadionbesucher kann gar nicht einfacher, als durch ein Fanprojekt, auf die Jugendlichen im Stadion eingewirkt werden, um Probleme in den Griff zu bekommen.