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"Wir müssen bescheiden bleiben" ! M.H

Verfasst: 14. Apr 2007, 09:19
von rot_weiss_ksv
Ein ganz wichtiges Heimspiel steht am Samstag für den SC Pfullendorf an, wenn der punktgleiche KSV Hessen Kassel (33 Zähler) in die Alno-Arena kommt (Anpfiff 14.30 Uhr). Ähnlich wie der SC Pfullendorf ist Kassel gut aus der Winterpause gekommen. Nach drei Siegen schien der Klassenerhalt schon so gut wie sicher. Doch nach zuletzt drei Niederlagen ist der Aufsteiger wieder hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet. Trainer bei den Hessen ist Ex-Profi Matthias Hamann. Der 38 Jahre alte Coach ist seit dem 1. Juli 2005 in Kassel tätig, schaffte gleich im ersten Jahr den Aufstieg in die dritte Spielklasse. Als Aktiver gehörte Hamann dem FC Bayern München, Fortuna Köln, 1. FC Kaiserslautern, TSV 1860 München, Tennis Borussia Berlin und LR Ahlen an. In Ahlen beendete der Defensivakteur 2002 seine Karriere. Seine größten sportlichen Erfolge waren 1989 die Deutsche Meisterschaft mit dem FC Bayern München und 1996 der DFB-Pokalsieg mit dem 1. FC Kaiserslautern. Vor dem Spiel in Pfullendorf unterhielt sich SZ-Mitarbeiter Dirk Meier mit dem Coach.

SZ: Herr Hamann, zuletzt gab es drei Niederlagen am Stück. Ganz bitter war am Osterwochenende die 0:3-Heimpleite vor 7 500 Zuschauern im hessischen Derby gegen den SV Darmstadt 98. Worin lagen die Gründe?

Matthias Hamann: Wir hatten nach der Winterpause gleich drei Mal gewonnen. Da schien es, als sollten wir mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. Dadurch hat sich bei uns eine gewisse Selbstzufriedenheit eingestellt. Die Mannschaft hat zuletzt nicht mehr alles gegeben, nur noch 70 bis 80 Prozent. Und das reicht eben nicht im Kampf um den Klassenerhalt.

SZ: Wie sehr schmerzt denn die 0:3-Heimniederlage gegen Darmstadt?

Hamann: Das tut schon weh. Denn wir haben eine sehr schwache Leistung abgeliefert. Und das ausgerechnet vor einer so großen Kulisse, die ja in der Regionalliga Süd auch nicht alltäglich ist. Hinzu kommt, dass wir bei einem Heimsieg gegen Darmstadt dem Klassenerhalt tatsächlich ein großes Stück näher gekommen wären, denn Darmstadt wäre dann schon fast weg gewesen. Nun haben wir diesen Klub aufgebaut, sie haben auf einmal wieder die Chance, die Klasse zu halten. Das wollten wir auf jeden Fall vermeiden und daher ist dieses 0:3 für uns doppelt bitter.

SZ: Wie sehen Sie die Chancen, drin zu bleiben?

Hamann: Ich will nicht schwarz malen. Wir haben noch acht Spiele, können es aus eigener Kraft schaffen und wir haben noch ein kleines Polster nach hinten. Wir brauchen nicht in Panik zu verfallen. Wir haben 33 Punkte und noch acht Spiele. Da ist für uns noch alles drin.

SZ: Was muss sich zum Besseren ändern?

Hamann: Ich habe der Mannschaft trotz der Heimniederlage an Ostern zwei Tage frei gegeben. Ich bin nicht der Typ, der auf die Mannschaft schlägt, wenn sie verloren hat. Wir haben es dann zu Wochenbeginn wieder so gemacht wie schon häufiger, wenn es nicht so gelaufen ist. Wir haben ein offenes Gespräch geführt. Da kann jeder Spieler seine Meinung sagen. Das bringt aus meiner Sicht mehr als Straftraining. Die Jungs wissen doch selber, dass sie schlecht waren. Ich hoffe, dass sich dieses Vorgehen am Samstag in Pfullendorf auszahlen wird.

SZ: Vor dieser Saison wurde Ihre Aufsteiger-Mannschaft belächelt und als einer der vier Absteiger gehandelt. Es sei zu wenig Geld da, hieß es. Ihr Team wurde kaum verstärkt und sei daher nicht konkurrenzfähig, so die landläufige Meinung. Nun kommt in einem Jahr die Dritte Liga. Welche Ziele setzt sich der KSV Hessen Kassel?

Hamann: Die Qualifikation für die neue dritte Profiliga zu schaffen, sollte das Ziel eines jeden Vereins in dieser jetzigen Regionalliga Süd sein. Denn wo hole ich sonst die Motivation für die Mannschaft her? Finanziell sind wir nicht auf Rosen gebettet, da erzähle ich keine Geheimnisse. Aber wir haben einen Vorteil: Das sind die guten Zuschauerzahlen. Und wenn wir erfolgreich sind, dann kommen sicher auch noch mehr Sponsoren. Derzeit wird fieberhaft daran gearbeitet, den Kreis der lokalen und überregionalen Geldgeber zu vergrößern. Ich bin guter Hoffnung, dass da Erfolge erzielt werden können.

SZ: Aber um in der nächsten Saison oben angreifen zu können, muss die Mannschaft verstärkt werden. Die Konkurrenz schläft jedoch nicht. Wie will Hessen Kassel diese Aufgabe erfolgreich bewerkstelligen?

Hamann: Wir können uns nur im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten verstärken. Ein Wettrüsten kommt für uns nicht in Frage. Wir wollen nicht das zerstören, was hier bis jetzt aufgebaut worden ist. Wir hatten hier ja schon mal schlechte Zeiten. Im Grunde müssen wir, so wie auch der SC Pfullendorf, bescheiden bleiben. Für Verstärkungen, so wie es andere machen, werden wir nicht das Geld haben. Also werden wir darauf angewiesen sein, Schnäppchen auf dem Transfermarkt zu machen. Da liegt eine ganz wichtige Aufgabe für unseren Verein. Sollten wir dann Liga drei nicht erreichen, dann müssen wir ruhig, sachlich und zielgerichtet weiterarbeiten. Denn dann geht die Welt auch nicht unter.

SZ: Wie sieht es gegen Pfullendorf personell aus?

Hamann: Gesperrt ist niemand. Es gibt ein paar kleinere Blessuren. Aber alles wird zum Spiel in Pfullendorf behoben sein. Ich kann also aus dem Vollen schöpfen.

SZ: Wie beurteilen Sie Ihre Chancen in der Alno-Arena?

Hamann: Für den SC Pfullendorf ist es nach der Winterpause ähnlich gut gelaufen wie für uns. Die Mannschaft hat sich stabilisiert, hat gute Leistungen gebracht und sich zu Recht von den Abstiegsplätzen verabschiedet. Der SCP hat sich wie wir von ganz unten raus gearbeitet. Daher sehe ich einem offenen und sehr interessanten Vergleich entgegen.


Quelle: Schwäbische Zeitung vom 13.04.2007