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Verfasst: 29. Jul 2006, 17:26
von Herr Künkel
Blechkuchen und Spielerschweiß - zu Gast im Kiez
ULLRICH RIEDLER über die KSV-Wiedergeburt nach dem Zwangsabstieg - Der KSV siegte beim SV Hermannia mit 3:0.

Eine neue Liga ist wie ein neues Leben. Meins begann am 9. August 1998. Wieder einmal. Nach zig Auf- und Abstiegen. Doch niemals war der Fall so tief gewesen: Zwangsabstieg, Neuanfang. Ganz unten. Kreisliga A, Gruppe 3. Dort wird Fußball gearbeitet - knochenhart und ziemlich rumpelig. Football’s coming home. Um 15 Uhr war er dann zu Hause: beim Saisonauftakt gegen den SV Hermannia Kassel. Der alte Lokalrivale aus Hessenliga-Zeiten hatte auch schon bessere Zeiten gesehen.

Im Kiez zwischen Arbeitermilieu und türkischen Gemüseläden, zwischen Wäscheleinen und Satellitenschüsseln liegt der Sportplatz, den man durch einen Backsteinbogen erreicht. Die Fankosten waren jetzt überschaubar, schließlich machte der KSV von nun an die große Runde durch die kleinen Plätze der Region. Zu den meisten Auswärtsspielen konnte man radeln, die Verpflegung war bodenständig gut. Meist gab es Blechkuchen und Hausmacher-Bratwürste.

Vor allem aber war beim Abenteuer Neuanfang alles intensiver. Man sah die Spieler schwitzen, hörte ihre Flüche und Kommandos. Viele glaubten beim Auftakt an einen Kantersieg. Doch Hermannia war ein guter Gegner. Auch weil im Tor das Hermannen-Urgestein Albert Wenzel stand. 51 Lenze, mit viel Bauch und noch mehr Erfahrung. Nur drei Dinger ließ er zu: von Schäfer, Stenz Stipe und dem reaktivierten Hotte Knauf. Aber was war da für eine Stimmung! 800 Fans, mehr als die meisten Oberligisten haben, feierten ihre Elf. Zum Schluss tönte es aus den Lautsprechern: „Marmor, Stein und Eisen bricht“. Da war allen klar: Die Legende stirbt nie. Sie lebt. Und an diesem Sonntag ging es ihr so gut wie lange nicht mehr.


HNA-Sportredaktion
Samstag, 29. Juli 2006

Auch schon wieder verdammt lang her!
:-)

Verfasst: 1. Aug 2006, 14:17
von Stefan_D
Nur 30 Minuten fehlten zur ersten Liga
Wolfgang Blieffert über das Drama von Nürnberg: Am letzten Spieltag rutschte Tabellenführer KSV auf Platz 4 ab.

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Konnte die Löwen nicht retten: Torwart Hans Wulf Foto: nh

Sonntag, 9. Juni 1985, letzter Spieltag der Zweiten Bundesliga, heute muss die Entscheidung fallen. Tabellenführer KSV Hessen, seit dem 18. Spieltag im Februar ununterbrochen auf einem Aufstiegsplatz, muss zum Zweiten, dem Club aus Nürnberg. Am drittletzten Spieltag hat man den Aufstieg versiebt, als beim Absteiger Bürstadt verloren wurde. Am vorletzten kam nach einer 2:0-Führung gegen Hannover 96 nur ein 2:2 heraus. Nun ein Remis in Nürnberg und der Aufstieg wäre perfekt.

In aller Herrgottsfrühe auf die Autobahn, die Stimmung ist optimistisch, hunderte andere KSV-Fans sind ebenfalls unterwegs gen Süden. Mittags Nürnberger Würstl in der Innenstadt, dann raus ins Stadion. Mit fast 60 000 Zuschauern ist es seit Tagen ausverkauft.

Schiedsrichter Franz-Josef Hontheim aus Trier macht einen unsicheren Eindruck, zeigt KSV-Verteidiger Stefan Panierschky schon in der 15. Minute nach einem Allerweltsfoul Gelb. Dennoch zieht sich der mit mehreren Ersatzspielern aufgelaufene KSV (Wulf - Greizer - Panierschky, Münn - Kahlhofen, Eplinius, Freudenstein, Cestonaro, Bakalorz - Deuerling, Hampl) zunächst blendend aus der Affäre.

Dann die 44. Minute: Nürnbergs Dieter Eckstein geht spektakulär zu Boden, Hontheim stellt Panierschky mit Gelb-Rot vom Platz. Die Club-Fans jubeln, uns KSV-Anhängern schwant Böses.

Zweite Halbzeit, der Druck der Clubberer wird nun immer größer. In der 60. Minute ist es so weit, Dieter Eckstein gelingt gegen zehn Hessen das 1:0, der famose Hans Wulf hat keine Chance. Das Stadion gleicht einem Tollhaus.

KSV-Trainer Jörg Berger setzt nun alles auf eine Karte, bringt mit Kirchberg und van de Veldt zwei frische Stürmer. In der 90. Minute werden die Löwen fast belohnt: Michael Deuerling wird steil geschickt, bleibt jedoch in letzter Sekunde am Torhüter hängen - ein Querpass auf den frei stehenden Helmut Hampl wäre vielleicht besser gewesen. Der Nürnberger Gegenzug vollendet das Drama: Brunner erzielt das 2:0.

Das Spiel ist aus, der Club und Hannover steigen auf, Saarbrücken schiebt sich noch auf den Relegationsplatz, der KSV steht nach einer tollen Saison mit leeren Händen da. Nie wieder war die 1. Bundesliga so nah. Auf der Rückfahrt wird geschwiegen.

Verfasst: 7. Aug 2006, 15:17
von Löwen-SteFan
Ein Stehplatz direkt neben dem rechten Torpfosten

Gerd Brehm war beim Pokalspiel zwischen dem KSV Hessen und dem Hamburger SV mittendrin statt nur dabei.
Das Auestadion hatte anno 1965 ein Fassungsvermögen von höchstens 30 000 Zuschauern. Am 16. Januar aber, als der HSV zum Pokalspiel der 1. Hauptrunde in Kassel antrat, wollten noch rund 5000 Menschen mehr ins Stadion.

Gut, dass die Sicherheitsvorkehrungen noch nicht so ausgeprägt waren, und dass die Polizisten die Augen zudrückten, als der Innenraum gestürmt wurde. Ich war dabei und fand einen Platz direkt neben dem rechten Torpfosten auf der Nordseite. Eine Halbzeit stand ich neben Karl Loweg, und dann war ich Horst Schnoor ganz nahe.

Der Superstar des HSV hieß damals Uwe Seeler, und der war auch bei den KSV-Fans so beliebt, dass die sich gar nicht ärgerten, als "Uns Uwe" in der zwölften Minute den Treffer zum 1:0 für die Gäste erzielte.

Und auch der Mann, der in der 57. Minute für die Entscheidung sorgte, war kein Unbekannter. Charly Dörfel erzielte den Treffer zum Endstand von 2:0.


Der KSV Hessen spielte in folgender Aufstellung: Loweg - Vollmer, Liebich - Michel, Ditttel, Paproth - Burjan, Fritzsche, Kuster, Bente, Becker.

Für den HSV traten an: Schnoor - Dieckmann, Kurbjuhn - Pichowiak, Giesemann, Kurth - Peltonen, Dehn, U. Seeler, Woldmann, G. Dörfel