Jugendarbeit beim KSV... :-(
Verfasst: 14. Sep 2005, 08:48
von: http://www.tsv1860.de
13.09.05 - 10:00 Uhr
„Es macht riesigen Spaß in München“
Die Karriere von Fabian Lamotte verlief äußerst ungewöhnlich. Bis zu seinem 15. Lebensjahr kickte er beim Dorfverein TuS Hesperinghausen. Entdeckt wurde er nicht – er ließ sich entdecken.
Fabian Lamotte war ein Wunschkandidat von Trainer Reiner Maurer. Bisher hat der 22-Jährige die Erwartungen voll erfüllt. Rechts hinten in der Viererkette gab es in der Saison 2004/05 keinen ausgesprochenen Spezialisten. Quido Lanzaat, eigentlich Innenverteidiger, und Harald Cerny, eher offensiv ausgerichtet, spielten diese Position. Deshalb hielt Coach Reiner Maurer beizeiten Ausschau, wurde beim Vize-Meister und DFB-Pokalfinalist FC Schalke 04 fündig.
Nicht dass sich der gebürtige Nordhesse bei den Königsblauen unwohl gefühlt hätte. Immerhin spielte er fast sieben Jahre für die Knappen. Aber die hochgesteckten Ambitionen der Gelsenkirchner sind nicht unbedingt förderlich für Talente. Nachdem auf Schalke in den beiden vergangenen Jahren groß aufgerüstet worden war, sah Lamotte für sich wenig Perspektive. „Bei Schalke hätte ich nicht die Einsatzzeiten bekommen, die für meine Entwicklung notwendig gewesen wären. Da kann es schnell passieren, dass du nur auf der Bank sitzt“, erzählt der Verteidiger. Deshalb sei der Wechsel die logische Konsequenz gewesen, obwohl ihn die Königsblauen nur ungern ziehen ließen. Zwei konkrete Angebote hatte der Abiturient: das von Sechzig und eins vom SC Freiburg. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer: „Dass mich Trainer Maurer unbedingt haben wollte, war ein Grund. Der andere, dass 1860 über eine relativ junge, eingespielte und entwicklungsfähige Mannschaft verfügt.“
Seinen Schritt hat Fabian nicht bereut. Die Eindrücke bei den Löwen sind bis jetzt durchweg positiv: „Es macht riesigen Spaß mit der Mannschaft. Dass wir bisher relativ erfolgreich waren, macht Lust auf mehr.“ Seine persönliche Zielsetzung bei den Sechzigern formuliert er wie folgt: „So viel Spiele wie möglich machen. Das ist wichtig für meine Entwicklung.“ Darauf ist er bedacht. Denn „viele Dinge sind bei mir noch verbesserungsfähig. Ich muss an meiner Zweikampfstärke und an meinem Spiel nach vorne arbeiten“, kennt er seine Defizite.
Seit Fabian denken kann, hat er gegen den Ball getreten. „Bei uns im Dorf gab’s nur Fußball“, erzählt er. Mit fünf Jahren durfte er dann beim TuS Hesperinghausen ran. In seinem Heimatverein spielte er bis zur B-Jugend – als Stürmer wohlgemerkt. Entdeckt wurde er nicht. Lediglich beim KSV Hessen Kassel, einem Traditionsklub in der 50 Kilometer von Hesperinghausen entfernten Nordhessen-Metropole, trainierte Lamotte als 14-Jähriger zweimal mit. „Aber die wollten die Fahrerei zwischen Kassel und meinem Heimatort nicht arrangieren.“ Also kickte er weiter auf dem platten Land.
Ein Jahr später, mit 15, wechselte Lamotte zu Schalke. Kurt Römer, ein Bekannter der Familie, der „fußballerisch einiges von mir gehalten hat und die Kontakte besaß“, hatte in Eigeninitiative ein Probetraining in Gelsenkirchen organisiert. Die Knappen zeigten sich von Fabian angetan, und so wechselte er in die B-Jugend von Schalke 04. Zunächst blieb er aber weiter bei seinen Eltern wohnen, fuhr einmal in der Woche die 150 Kilometer nach Gelsenkirchen zum Training und am Wochenende zu den Spielen. „Meistens hat mich mein Vater gefahren. Wenn er keine Zeit hatte, sprangen Bekannte oder Verwandte ein.“ Zwei weitere Male die Woche trainierte das 15-jährige Talent mit einer Senioren Landesliga-Mannschaft in der Nähe seines Wohnorts. „Das war so mit Schalke abgesprochen.“ Ein Jahr später, mit 16, wechselte er dann ins Internat der Königsblauen. Nach seiner A-Jugend-Zeit erhielt Fabian Lamotte einen Jungprofivertrag, durfte unter Trainer Frank Neubarth die komplette Vorbereitung bei der ersten Mannschaft mitmachen. Danach spielte und trainierte er bei den Amateuren, mit denen er in der Saison 2002/03 den Aufstieg von der Oberliga Westfalen in die Regionalliga Nord schaffte.
Zum Bundesligaspieler wurde Lamotte unter Trainer Jupp Heynckes, der ihn in der Winterpause der Saison 2003/04 wieder zu den Profis hochholte. Als sich Christian Poulsen verletzte, schlug Fabians Stunde. Am 13. März 2004 gab er sein Bundesligadebüt beim 0:3 in Frankfurt über volle 90 Minuten. Trotz der deutlichen Schlappe überwiegen die positiven Gedanken an das Spiel: „Es war ein fantastisches Gefühl, das erste Mal vor einer solchen Kulisse auflaufen zu dürfen. Ich war natürlich übernervös“, gesteht er. Danach folgten noch einige Spiele, bevor er Poulsen wieder Platz machen musste.
Die Saison 2004/05 begann für den Youngster vielversprechend. Der Trainer hieß nun Ralf Rangnick. Trotz der beeindruckenden Konkurrenz im Kader der Königsblauen kam Lamotte zunächst sowohl im UEFA-Cup als auch in der Bundesliga zum Einsatz. Doch an einem spielfreien Wochenende in der Bundesliga kam er bei seinen alten Kollegen im Amateurteam zum Einsatz – und verletzte sich. Zwei Monate fiel der Verteidiger aus. „Danach hatte ich kaum noch Aussichten zu spielen“, sagt er. Einen Platz im Team zu fordern, dazu ist er nicht der Typ. Er ist eher zurückhaltend und bescheiden, vielleicht zu ruhig. „Ich bin eben kein Emotionsbolzen“, wie er selbst zugibt, sonst wäre ihm vielleicht der Durchbruch bei den Königsblauen geglückt.
In München fühlt sich der Profi, dessen Name ursprünglich aus dem Französischen stammt, aber so wie man ihn schreibt ausgesprochen wird, sichtlich wohl. „Von der Stadt her ist der Unterschied zu Gelsenkirchen natürlich gewaltig“, resümiert Fabian, obwohl er sich auch dort wohlgefühlt habe. „Es macht riesigen Spaß, in München zu leben“, sagt er, obwohl er noch alleine in seiner Wohnung ist. Aber das wird sich bald ändern. Seine Freundin zieht ebenfalls nach München.
Elf Fragen an Fabian Lamotte:
1) Wenn Du kein Fußballprofi wärst, was wärst du dann?
Sportstudent. Ich würde auf Lehramt studieren, um später Kinder und Jugendliche zu unterrichten. Das kann ich mir gut vorstellen.
2) Wofür lohnt es sich zu kämpfen?
Im Sport für die Fans, die immer dabei sind und mitfiebern. Privat für Familie und Freundin.
3) Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Illuminati von Dan Brown – ein spannender Thriller. Die Thematik rund um den Vatikan hat mich fasziniert und gefesselt zugleich.
4) Was war Dein erstes Fußballerlebnis?
Es war gleich ein negatives. In unserem ersten Pflichtspiel mit Hesperingshausen in der F-Jugend haben wir gleich mit 0:5 gegen Landau/Hessen verloren
5) Womit hast Du früher Dein Taschengeld verdient?
Mit Zeitungen austragen.
6) Was findest Du spießig?
Goldkettchen, egal ob an Hals oder Arm, finde ich absolut spießig – auch wenn ich mir damit bei manchen Kollegen keine Freunde mache ....
Wer ist für Dich die wichtigste Person der Zeitgeschichte?
Martin Luther, weil er die damaligen verkrusteten Strukturen aufgebrochen hat.
Was war Deine erste CD/Schallplatte?
BRAVO-Hits.
Welche TV-Sendung schaust Du Deiner Freundin zuliebe?
Das kam bisher noch nicht oft vor, aber „Traumschiff“ würde ich ihr zuliebe anschauen.
Was war der peinlichste Augenblick in Deinem Leben?
Als mich der Hausmeister versehentlich in der Schultoilette einschloss und ich über eine Stunde auf meine Befreiung warten musste.
Du bist gebürtiger Nordhesse. Was reizt Dich an München?
Dass es eine Weltstadt ist mit einem großen Angebot an Vergnügungs-, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten.
Fabian Lamottes All-Star-Team:
Peter Schmeichel - Javier Zanetti, Marcelo Bordon, Jürgen Kohler, Paolo Maldini - Redondo - Ronaldinho, Maradona, Marco Gebhardt - Marco van Basten, Jürgen Klinsmann.
(jm/rh)
Schade. So gehen einem Talente durch die Lappen.....
13.09.05 - 10:00 Uhr
„Es macht riesigen Spaß in München“
Die Karriere von Fabian Lamotte verlief äußerst ungewöhnlich. Bis zu seinem 15. Lebensjahr kickte er beim Dorfverein TuS Hesperinghausen. Entdeckt wurde er nicht – er ließ sich entdecken.
Fabian Lamotte war ein Wunschkandidat von Trainer Reiner Maurer. Bisher hat der 22-Jährige die Erwartungen voll erfüllt. Rechts hinten in der Viererkette gab es in der Saison 2004/05 keinen ausgesprochenen Spezialisten. Quido Lanzaat, eigentlich Innenverteidiger, und Harald Cerny, eher offensiv ausgerichtet, spielten diese Position. Deshalb hielt Coach Reiner Maurer beizeiten Ausschau, wurde beim Vize-Meister und DFB-Pokalfinalist FC Schalke 04 fündig.
Nicht dass sich der gebürtige Nordhesse bei den Königsblauen unwohl gefühlt hätte. Immerhin spielte er fast sieben Jahre für die Knappen. Aber die hochgesteckten Ambitionen der Gelsenkirchner sind nicht unbedingt förderlich für Talente. Nachdem auf Schalke in den beiden vergangenen Jahren groß aufgerüstet worden war, sah Lamotte für sich wenig Perspektive. „Bei Schalke hätte ich nicht die Einsatzzeiten bekommen, die für meine Entwicklung notwendig gewesen wären. Da kann es schnell passieren, dass du nur auf der Bank sitzt“, erzählt der Verteidiger. Deshalb sei der Wechsel die logische Konsequenz gewesen, obwohl ihn die Königsblauen nur ungern ziehen ließen. Zwei konkrete Angebote hatte der Abiturient: das von Sechzig und eins vom SC Freiburg. Die Entscheidung fiel ihm nicht schwer: „Dass mich Trainer Maurer unbedingt haben wollte, war ein Grund. Der andere, dass 1860 über eine relativ junge, eingespielte und entwicklungsfähige Mannschaft verfügt.“
Seinen Schritt hat Fabian nicht bereut. Die Eindrücke bei den Löwen sind bis jetzt durchweg positiv: „Es macht riesigen Spaß mit der Mannschaft. Dass wir bisher relativ erfolgreich waren, macht Lust auf mehr.“ Seine persönliche Zielsetzung bei den Sechzigern formuliert er wie folgt: „So viel Spiele wie möglich machen. Das ist wichtig für meine Entwicklung.“ Darauf ist er bedacht. Denn „viele Dinge sind bei mir noch verbesserungsfähig. Ich muss an meiner Zweikampfstärke und an meinem Spiel nach vorne arbeiten“, kennt er seine Defizite.
Seit Fabian denken kann, hat er gegen den Ball getreten. „Bei uns im Dorf gab’s nur Fußball“, erzählt er. Mit fünf Jahren durfte er dann beim TuS Hesperinghausen ran. In seinem Heimatverein spielte er bis zur B-Jugend – als Stürmer wohlgemerkt. Entdeckt wurde er nicht. Lediglich beim KSV Hessen Kassel, einem Traditionsklub in der 50 Kilometer von Hesperinghausen entfernten Nordhessen-Metropole, trainierte Lamotte als 14-Jähriger zweimal mit. „Aber die wollten die Fahrerei zwischen Kassel und meinem Heimatort nicht arrangieren.“ Also kickte er weiter auf dem platten Land.
Ein Jahr später, mit 15, wechselte Lamotte zu Schalke. Kurt Römer, ein Bekannter der Familie, der „fußballerisch einiges von mir gehalten hat und die Kontakte besaß“, hatte in Eigeninitiative ein Probetraining in Gelsenkirchen organisiert. Die Knappen zeigten sich von Fabian angetan, und so wechselte er in die B-Jugend von Schalke 04. Zunächst blieb er aber weiter bei seinen Eltern wohnen, fuhr einmal in der Woche die 150 Kilometer nach Gelsenkirchen zum Training und am Wochenende zu den Spielen. „Meistens hat mich mein Vater gefahren. Wenn er keine Zeit hatte, sprangen Bekannte oder Verwandte ein.“ Zwei weitere Male die Woche trainierte das 15-jährige Talent mit einer Senioren Landesliga-Mannschaft in der Nähe seines Wohnorts. „Das war so mit Schalke abgesprochen.“ Ein Jahr später, mit 16, wechselte er dann ins Internat der Königsblauen. Nach seiner A-Jugend-Zeit erhielt Fabian Lamotte einen Jungprofivertrag, durfte unter Trainer Frank Neubarth die komplette Vorbereitung bei der ersten Mannschaft mitmachen. Danach spielte und trainierte er bei den Amateuren, mit denen er in der Saison 2002/03 den Aufstieg von der Oberliga Westfalen in die Regionalliga Nord schaffte.
Zum Bundesligaspieler wurde Lamotte unter Trainer Jupp Heynckes, der ihn in der Winterpause der Saison 2003/04 wieder zu den Profis hochholte. Als sich Christian Poulsen verletzte, schlug Fabians Stunde. Am 13. März 2004 gab er sein Bundesligadebüt beim 0:3 in Frankfurt über volle 90 Minuten. Trotz der deutlichen Schlappe überwiegen die positiven Gedanken an das Spiel: „Es war ein fantastisches Gefühl, das erste Mal vor einer solchen Kulisse auflaufen zu dürfen. Ich war natürlich übernervös“, gesteht er. Danach folgten noch einige Spiele, bevor er Poulsen wieder Platz machen musste.
Die Saison 2004/05 begann für den Youngster vielversprechend. Der Trainer hieß nun Ralf Rangnick. Trotz der beeindruckenden Konkurrenz im Kader der Königsblauen kam Lamotte zunächst sowohl im UEFA-Cup als auch in der Bundesliga zum Einsatz. Doch an einem spielfreien Wochenende in der Bundesliga kam er bei seinen alten Kollegen im Amateurteam zum Einsatz – und verletzte sich. Zwei Monate fiel der Verteidiger aus. „Danach hatte ich kaum noch Aussichten zu spielen“, sagt er. Einen Platz im Team zu fordern, dazu ist er nicht der Typ. Er ist eher zurückhaltend und bescheiden, vielleicht zu ruhig. „Ich bin eben kein Emotionsbolzen“, wie er selbst zugibt, sonst wäre ihm vielleicht der Durchbruch bei den Königsblauen geglückt.
In München fühlt sich der Profi, dessen Name ursprünglich aus dem Französischen stammt, aber so wie man ihn schreibt ausgesprochen wird, sichtlich wohl. „Von der Stadt her ist der Unterschied zu Gelsenkirchen natürlich gewaltig“, resümiert Fabian, obwohl er sich auch dort wohlgefühlt habe. „Es macht riesigen Spaß, in München zu leben“, sagt er, obwohl er noch alleine in seiner Wohnung ist. Aber das wird sich bald ändern. Seine Freundin zieht ebenfalls nach München.
Elf Fragen an Fabian Lamotte:
1) Wenn Du kein Fußballprofi wärst, was wärst du dann?
Sportstudent. Ich würde auf Lehramt studieren, um später Kinder und Jugendliche zu unterrichten. Das kann ich mir gut vorstellen.
2) Wofür lohnt es sich zu kämpfen?
Im Sport für die Fans, die immer dabei sind und mitfiebern. Privat für Familie und Freundin.
3) Welches ist Dein Lieblingsbuch?
Illuminati von Dan Brown – ein spannender Thriller. Die Thematik rund um den Vatikan hat mich fasziniert und gefesselt zugleich.
4) Was war Dein erstes Fußballerlebnis?
Es war gleich ein negatives. In unserem ersten Pflichtspiel mit Hesperingshausen in der F-Jugend haben wir gleich mit 0:5 gegen Landau/Hessen verloren
5) Womit hast Du früher Dein Taschengeld verdient?
Mit Zeitungen austragen.
6) Was findest Du spießig?
Goldkettchen, egal ob an Hals oder Arm, finde ich absolut spießig – auch wenn ich mir damit bei manchen Kollegen keine Freunde mache ....
Wer ist für Dich die wichtigste Person der Zeitgeschichte?
Martin Luther, weil er die damaligen verkrusteten Strukturen aufgebrochen hat.
Was war Deine erste CD/Schallplatte?
BRAVO-Hits.
Welche TV-Sendung schaust Du Deiner Freundin zuliebe?
Das kam bisher noch nicht oft vor, aber „Traumschiff“ würde ich ihr zuliebe anschauen.
Was war der peinlichste Augenblick in Deinem Leben?
Als mich der Hausmeister versehentlich in der Schultoilette einschloss und ich über eine Stunde auf meine Befreiung warten musste.
Du bist gebürtiger Nordhesse. Was reizt Dich an München?
Dass es eine Weltstadt ist mit einem großen Angebot an Vergnügungs-, Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten.
Fabian Lamottes All-Star-Team:
Peter Schmeichel - Javier Zanetti, Marcelo Bordon, Jürgen Kohler, Paolo Maldini - Redondo - Ronaldinho, Maradona, Marco Gebhardt - Marco van Basten, Jürgen Klinsmann.
(jm/rh)
Schade. So gehen einem Talente durch die Lappen.....