Sherif Touré von Kamera-Teams umringt
Ihrhove - In diesen Tagen genießt Sherif Touré die Aufmerksamkeit, von der er träumt, seit er im Alter von 16 Jahren von Togo nach Deutschland zog, um ein Fußballstar zu werden. Mit 18 Jahren war er schon nahe dran, kam zu ersten Kurzeinsätzen in der Bundesliga bei Hannover 96. Doch dann wurde er abgeschoben in die Provinz nach Ostfriesland. Bei Concordia Ihrhove spielte er abseits der großen Fußballwelt und des Medienrummels seit vier Jahren, erst in der Oberliga und nun in der Bezirksliga. Doch den Traum hat er nie aufgegeben. Und nun könnte daraus ein Fußball-Märchen werden. Ein 23-jähriger Fußballer aus der siebten Liga stürmt für Togo bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland.
Ausgeschlossen ist das nicht. Genau deshalb steht Sherif Touré seit Wochen im Rampenlicht. Gleich drei Fernsehteams von N3 und RTL filmten den Stürmer am Sonnabend vor, während und nach der Bezirksligapartie der Ihrhover gegen Esenshamm.
Ob es ein Happyend gibt in diesem Märchen, bleibt nach den ersten Dreharbeiten allerdings offen, denn das letzte Wort hat Togos Nationaltrainer Stephane Queshi. Und der Franzose entscheidet Mitte Dezember nach einem Trainingslager. Klaus-Dieter Müller ist allerdings überzeugt, dass es klappt: „Sherif ist bei der WM dabei“, sagt der Rechtsanwalt aus Hannover, der Touré einst nach Deutschland geholt hat, ihn seitdem berät und nun den Rummel nutzen möchte, Sherif zu vermarkten. Denn Müller ist auch Geschäftsmann. „Sherif ist ein Typ wie Gerald Asamoah“, sagt er. „Schnell, technisch gut und er hat den Drang zum Tor.“
Und weil Touré so gut ist, will Müller ihn bei einem anderen Verein unterbringen: „Sherif hat sich hier gut entwickelt. Aber jetzt muss er in der Winterpause zu einem höherklassigen Verein wechseln.“
Der „Bewerbungsfilm“ für einen anderen Klub wurde Sonnabend gedreht: Es ist 11 Uhr: Sherif Touré steht auf dem Rasen des Hindenburgstadions. In kurzen Hosen und dem Nationaltrikot von Togo. Umringt von drei Kamerateams jongliert er mit dem Ball, zeigt den Redakteuren seine Wohnung und die Umkleidekabine im Stadion. Immer wieder wird gefilmt, gesprochen und gelacht.
Ab 14.15 Uhr soll Sherif dann auf dem Rasen zeigen, warum er zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehört, warum er bald mit allen Stars aus Togo ins Trainingslager und dann zum Afrika-Cup fliegt. Das Bezirksligaspiel beginnt. Sherif läuft als letzter Spieler auf den Rasen. Aus den Lautsprechern dröhnt die Nationalhymne von Togo. Sherif, erneut umringt von Kamerateams, bekreuzigt sich und eilt zu seinen Mitspielern.
Das ersehnte Tor vor laufenden Kameras gelingt Touré nicht.
Er dribbelt und trickst, flankt und schießt, trifft Pfosten und Latte. Es ist zu sehen, dass er ein außergewöhnlich guter Fußballer ist. Doch Esenshamm geht in Führung, macht danach die Räume noch enger. Alles ist auf Touré fixiert. Seine Mitspieler, die ihn immer wieder anspielen, aber auch die Gegenspieler, die ihn auch zu zweit und dritt verfolgen. Sherif hat einen schweren Stand und er ist nervös.
Als es dann nach 60 Minuten Elfmeter für Ihrhove gibt, sieht er seine Chance gekommen, doch noch ein Tor zu machen. Er schnappt André Sick den Ball weg, legt ihn auf den Punkt und will ihn in den Winkel zirkeln. Es bleibt beim Versuch. Der Ball fliegt einen Meter übers Tor. Touré sinkt auf den Rasen, seine Mitspieler muntern ihn auf. Bis zum Schlusspfiff rennt und ackert er, aber Ihrhove verliert 0:2. „Es ist nicht ideal gelaufen“, sagt Touré leise in die Mikrofone.
Doch Sherifs Traum vom großen Fußball geht weiter, der hängt nicht ab von diesen 90 Minuten. „Der Rummel war zu groß“, sagt Klaus-Dieter Müller. „Sherif mag das nicht, das haben wir heute gesehen. Aber er ist ein guter Fußballer, trickst auch in den Länderspielen reihenweise Gegenspieler aus.“ Und deshalb, sagt Müller, muss er weg. „Hier passt er sich dem Niveau an. Das ist nicht gut, denn bei der WM wird er sich mit Spielern seines Formats messen müssen.“
Quelle: NR3