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FC Dortmund

Verfasst: 18. Feb 2005, 11:48
von sepp
Diskutiert hier keiner über den FC blau-weiß Dortmund ? Bild

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BVB-EXISTENZKRISE

Dortmunds Stolz vor dem Aus

Aus Dortmund berichtet Felix Meininghaus

Fassungslos und ohnmächtig verfolgen die Dortmunder den Niedergang ihres Ballsportvereins Borussia. Die Nachricht, dass Deutschlands einziger börsennotierter Fußballclub vor dem Kollaps steht, traf die Stadt mitten ins Herz. Das Überleben des einstigen Champions-League-Gewinners hängt jetzt von den Gläubigern ab.



DPA
BVB-Spieler Koller, Wörns und Bergdölmo beim Training: "Junge, Junge, es sieht ganz finster aus"
Dortmund - Schneetreiben und ein scharfer Wind heute Mittag auf der A 1 zwischen Kamen und dem Autobahnkreuz Dortmund-Unna. Keine angenehmen Bedingungen auf dem Weg zum Westfalenstadion, wo die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA auf einer eiligst anberaumten Pressekonferenz weitere Horrorzahlen zu präsentieren hatte. Aber was ist schon schön in diesen Tagen, da der Stolz der zweitgrößten Stadt im Ruhrgebiet ums Überleben kämpft.

Immerhin passt das Wetter zu dem Bild, das BVB-Präsident Reinhard Rauball im Dezember gezeichnet hatte. Einen "eiskalten Winter" hatte der promovierte Jurist seinem Verein prophezeit, die neuesten Meldungen verrieten, dass sich die Großwetterlage beim Champions-League-Sieger von 1997 so sehr verschlechtert hat, dass mit dem Erfrierungstod zu rechnen sei. Deutschlands einziger an der Börse notierter Fußballverein hatte in einer Ad-hoc-Mitteilung verkündet, es sei "eine existenzbedrohende Ertrags- und Finanzsituation eingetreten".



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Fans feiern ihren BVB: Bald Geschichte?
Und so befanden sich die gesamte Stadt Dortmund und alle, die in irgendeiner Form mit ihrem Vorzeigeverein zu tun haben, im Ausnahmezustand. Torhüter Roman Weidenfeller wurde morgens früh von seinen Eltern geweckt, die aus dem pfälzischen Eisbachtal anriefen. "Junge, Junge, mach doch mal den Videotext an, es sieht ganz finster aus." Überall verbreitete sich das, was als Horrorvision seit über einem Jahr über der Stadt hängt, was aber keiner so richtig wahr haben wollte: Borussia geht tatsächlich pleite, sie nehmen uns unseren Verein weg.

Zustand der Ohnmacht

Nachmittags, als die Profis auf dem Trainingsgelände im Schatten des gigantischen Westfalenstadions, das die Macher ohne Rücksicht auf wirtschaftliches Kalkül zu Deutschlands Arena mit dem größten Fassungsvermögen ausgebaut haben, ihre tägliche Übungseinheit absolvierten, machte sich bei den Rentnern am Zaun Resignation breit. Die alten Männer sind immer da und beschimpfen die Stars, weil die angeblich lauffaul, bequem und verwöhnt sind.



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Keeper Weidenfeller: Anruf von den Eltern
Aber an diesem Nachmittag hatten sie kaum einen Blick für die kickenden Großverdiener: "Aus dem Schuldendebakel kommen die nicht mehr raus", sagte einer, und die anderen nickten: "Es ist schlimmer als gedacht." Dortmund befindet sich in einem Zustand der Ohnmacht, die Hoffnung auf Rettung bleibt, aber sie schrumpft mit jeder neuen Hiobsbotschaft: "Wut, Angst, Fassungslosigkeit", so lautet heute die Headline der "Ruhr-Nachrichten".

Die Bedeutung des Traditionsvereins, der 1966 als erster deutscher Club den Europapokal gewann, kann nur der erfassen, der sich mit der Geschichte seiner Stadt beschäftigt: Die Montanindustrie ist längst weg gebrochen, die letzte Zeche hat 1987 dicht gemacht, das letzte Stahlwerk im Jahr 2000. Und von Europas Bierstadt Nummer eins bleibt gerade mal eine Brauerei übrig, wenn Brinkhoff 2006 die Pforten schließt.

Stattdessen gibt es den Technologie-Park, aber von dem, was Dortmund einst groß gemacht hat, was die Menschen hier mit Stolz erfüllt, ist nur noch Borussia übrig geblieben. Ganz abgesehen von der wirtschaftlichen kann auch die moralische Auswirkung eines Kollaps des BVB nur erahnt werden in einer Stadt, in der ein Fußballclub der einzige wirkliche Identifikations- und Hoffnungsträger ist.

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Dortmunder Fans: Vor Verzweiflung geheult
Hier pilgern alle zwei Wochen rund 80.000 Anhänger zu den Heimspielen, ein Zuschauerschnitt, den es auf diesem Globus kein zweites Mal gibt. Zumindest für die Fans auf der Südtribüne, die mit einem Fassungsvermögen von 27.000 als weltweit größte Stehplatzkonstruktion geführt wird, sind die Darbietungen der Kicker weit mehr als ein Freizeitvergnügen, das sich so ohne weiteres durch ein neues ersetzen lässt. Reinhard Beck, Vorsitzender der zum Ende des vergangenen Jahres gegründeten Fanabteilung des BVB, berichtet von "Leuten, die heute morgen am Telefon vor Verzweifelung geheult haben". Sollte ihr Lebensinhalt tatsächlich vor dem Insolvenzgericht abgehandelt werden, "drehen die Leute hier durch, so viel Wut und so viel Hass hat sich bei denen angestaut".

Im Brennpunkt solcher Gefühle stehen mit Gerd Niebaum und Michael Meier die Protagonisten des Dortmunder Finanzdebakels. Während Niebaum inzwischen nicht nur als Präsident, sondern auch als Geschäftsführer der Aktiengesellschaft zurückgetreten ist, verbleibt Meier weiter im Amt. Im Umfeld des Vereins heißt es, der Manager verfüge im Dickicht aus Verträgen, Darlehen, Sale-and-Lease-back-Verfahren und sonstigen wirtschaftlichen Konstrukten über so viel Herrschaftswissen, dass es einem selbstmörderischen Akt gleich käme, ihn auch noch in die Wüste zu schicken. Zudem besitze Meier die guten Kontakte zur Deutschen Fußball Liga (DFL), mit deren Hilfe der marode Club trotz des rekordverdächtigen Schuldenbergs die Lizenz für die kommende Spielzeit erhalten soll.

Heute stellte Meier die Lage des Clubs mit vorher nicht gekannter Offenheit dar und verabschiedete sich damit von der unsäglichen Salamitaktik, mit der er und Niebaum sich bislang durchgehangelt hatten. Mehr als ein Jahr lang hatte Dortmunds Doppelspitze immer nur das zugegeben, was ihnen sowieso gerade nachgewiesen worden war. Und so wuchs die Krise peu a peu bis zur Katastrophe. Nun räumte Meier ein, es sei "ein Fehler gewesen, die Dinge nicht transparent zu machen". Beck hätte sich "diese Offenheit vor einem Jahr gewünscht, als der Handlungsspielraum noch größer war".

"Die haben unsere Seele verschachert"



AP
Kritisierter Meier: Mit der Salamitaktik durchgehangelt
Beim Fan-Vorsitzenden und seinen Mitstreitern ist Meier spätestens unten durch, seitdem ruchbar geworden ist, dass der BVB im Spätsommer 2000 einen Deal über 20 Millionen Euro mit dem Kölner Versicherungskonzern Gerling geschlossen hat, bei dem der Club als Sicherheit unter anderem den Vereinsnamen und das Logo verpfändete. "Die haben unsere Seele verschachert", zürnt Beck, und sein Stellvertreter Olaf Suplicki sagt, "dass seitdem die Volksseele kocht".

Während Meier versucht, die Gläubiger davon zu überzeugen, Tilgungsaussetzungen und -streckungen zuzustimmen, damit das Sanierungsprogramm greift und die drohende Insolvenz abgewendet werden kann, schwanken die Fans zwischen Duldung und Ablehnung: "Wir wissen, dass wir ohne Meier wahrscheinlich unseren Verein verlieren", sagt Beck, "aber eigentlich muss er weg." Suplicki geht noch weiter: "Niebaum und Meier haben völlig versagt", sagt der Fanvertreter, der notfalls dafür ist, "lieber einen sauberen Schnitt zu machen und in der dritten oder vierten Liga neu zu starten. Das wäre unter Umständen die fairste Lösung."

Verfasst: 18. Feb 2005, 13:08
von Lämmi
Den Dortmundern wird sowieso geholfen
Auch bei solchen Beträgen wird es eine Hilfe geben
Wetten dass !
Tja Fussball hat eben nix an der Börse verloren

RWG Lämmi

Verfasst: 18. Feb 2005, 13:26
von sepp
Leider wirst du recht behalten Lämmi.

Fussballmafia DFB ! :evil:

Verfasst: 18. Feb 2005, 13:28
von Günter Kratz
Hallo Löwen!

Ihr habt ja bestimmt schon gemerkt, daß ich kein Freund des sogenannten "höherklassigen Fußballs" bin. Einfach weil ich immer mehr den Eindruck habe, der Fußball ist dort oben nur noch das Deckmäntelchen für das, um daß es bei der ganzen Sache im Wirklichkeit geht: Geschäfte machen und Kohle scheffeln! Eine Beschäftig für das blöde Volk, während die Herren in den VIP Logen und hinter den Kulissen ihre Millionen hin und her schieben.

Ich höre immer wieder, so ein großer Verein wie eben Borussia Dortmund, sei ein Wirtschaftsunternehmen. Na ja, und das käme wahrscheinlich auch über die Runden ohne daß zu jedem Spiel 80.000 Leute ins Westfalenstadion pilgern und ihren Eintritt entrichten. Die Fans sind weiter nichts als Kunden dieses Unternehmens und potentielle Käufer der Produkte der Sponsoren. Und die Spieler sind lebendes Kapital, dessen Marktwert durch die Leistung auf dem Platz bestimmt wird. Die Spiele selbst werden von den Spielern nur noch dazu benutzt, ihre Verhandlungsbasis bei den nächsten Vertragsverhandlungen zu stärken.

Tradition, Ruhm und Ehre, oder für etwas anderes kämpfen als sich selbst? Fehlanzeige! Von sowas schwafeln zwar die Fans, und die alten Kiebitze beim Training träumen von vergangenen Zeiten, aber der Fußball heutzutage ist leider nicht mehr der, der er einmal war!

Von daher tut's mir um die Fans eines solchen Trditionsvereins wie dem BVB Borussia Dortmund 09 unheimlich leid. Wenn aber irgendwelche Manager aus Profitgier sogar den Namen ihres Vereins verkaufen, das Ganze in eine "GmbH & Co. KGaA" umwandeln und dieses merkwürdige Gebilde vor die Wand fahren, dann ist mir das scheißegal! Der Haken ist nur, daß diese Typen im Falle eines SuperGAU ihre Schäfchen im trockenen haben, während die Fans vor einem Scherbenhaufen stehen...

Wenn es wirkich so weit kommen sollte, dann hoffe ich nur, daß die Fans es so laut krachen lassen, daß es den Wirtschaftsbossen der anderen Profivereine in den Ohren klingelt!

RWG
Günter

Verfasst: 18. Feb 2005, 15:23
von ksvfanatic
Juhu, es ist so weit. Mein verhasster Verein BV Borussia 09 Dortmund (oder so) hat endlich keine Kohle mehr. Vielleicht können wir denen die Videoleinwand abkaufen :D

Verfasst: 18. Feb 2005, 15:27
von Christian7
Mich als Dortmund-Fan (oder besser: großer Symphatisant) macht es natürlich traurig. Aber noch schlimmer wäre es, wenn man durch Hilfe von außen doch noch in der Bundesliga bleiben dürfte. Das wäre einfach nur unfair, wenn, dann müsste man es mit eigenen Mitteln schaffen (die Frage ist nur, wie? :-? ). Ob die BVB-Fans beispielsweise einen Abramowitsch akzeptieren würde? Ich weiß nicht...Wenn man z. B. mal gesehen hat, welchen (eigentlich berechtigten) Aufstand die BVB-Fans gemacht haben, als die Verpfändung von Name und Logo bekanntgegeben wurde.

Verfasst: 18. Feb 2005, 15:56
von schmiddi
@Christian
So wird's aber kommen. Dresden mußte damals wegen 8 Mio. Miesen den Gang nach unten antreten (von Kassel möchte ich gar nicht reden), Dortmund hat ein Vielfaches davon und wird spätestens übernächstes Jahr wieder Europacup spielen. :o
Lautern, Frankfurt etc. wurden auch gerettet, warum nicht der Möchtegern-FC Bayern BVB?! Fußball ist nicht gerecht.
Aber wenn man ins Ausland schaut (Italien, Spanien) und sieht, wie hoch verschuldet die Teams sind und trotzdem Jahr für Jahr die großen Titel einfahren, da wird einem (aus deutscher Sicht) schlecht.

RWG Schmidt A.

Verfasst: 18. Feb 2005, 16:39
von KSV_supporter_jan
Jaja , wenn man unkompetente Leute in der Führung sitzen hat ,.... irgend woher kenn ich das???? :roll: :roll: :roll:
Ich glaube allerdings auch , dass die Borussia es irgendwie noch packt und die Gläubiger überzeugen kann...... und wenn nicht dann hilft der DFB....denn ein 80000 Mann Fassendes Stadion, welches nebenbei auch noch WM Stadion ist , darf nicht in Liga 2 oder 3 spielen. Mich würde nur mal interressieren , was sich ein Mann wie Amoroso denkt , wenn er in Spanien die Zeitung aufmacht und liesst , dass er mitschuldiger an einem Untergang eines Deutschen Vereins ist. Ich bin nicht gerade Dortmund Sympatiesant , doch ich würde mich eher freuen , wenn socle Komerz - Clubs wie Wolfsburg oder Leverkusen untergehen.
Doch eine Frage stell ich mir immer wieder , wo bleibt Udo Lattek??? :o

RWG jh