Naja, das Problem existiert in Braunschweig leider seit Jahren, ohne, dass der Verein oder auch das Fanprojekt sonderlich aktiv wurde bzw. ihre Prioritäten ganz schräg lagerten. Das fing schon an, als die Ultras Braunschweig in der Saison 2007/2008 aufgrund ihrer eher linken Grundhaltung und des Capos mit Migrationshintergrund in der eigenen Kurve massiv angefeindet, beworfen und angegangen bzw. bedroht wurden. Als die Situation dann unerträglich für die UB2001 wurde, baten sie den Verein zu Zwecken der Deeskalation darum, in die gegenüberliegende Kurve in einen eigenen Block zu ziehen. Der Verein sperrte sich und trennte stattdessen die Heimkurve, was jedoch zu weiteren Übergriffen führte, bei denen dann auch ein Fan durch eine Gürtelschnalle verletzt wurde. Man trug - um sich weiteren körperlichen Angriffen zu entziehen - erneut den Wunsch vor, auf die Gegenseite zu ziehen und der Verein und das Fanprojekt schienen sich auch damit anfreunden zu können. Doch in der Sommerpause entschied sich der BTSV dagegen, wegen zu großer Nähe zum Gästeblock in der Nordkurve. Bei einem folgenden Testspiel versammelte sich die UB dennoch im avisierten Block 15 - immerhin ein Heimblock! Als die Saison begann, wurde Block 15, wie gehabt, für Braunschweiger geöffnet - die UB allerdings als einzige wurden von dieser Öffnung ausgeschlossen und erhielten von den Ordnern keinen Zutritt. Aus Protest gegen die Vereinsentscheidung hielten die UB einen Sitzstreik vor Block 15 ab, der bis auf einige Beleidigungen gegen Polizisten und den Sicherheitsbeauftragten des BTSV friedlich verlief (mein Neffe wusste einiges hierüber zu berichten). Nichtsdestotrotz wurden die UB eingekesselt und kollektiv SV (23 bundesweit, 95+1 lokal) ausgesprochen (!) - und das ist sogar, beschrieb Jonas Gabler, als "pädagogische Maßnahme" in Absprache mit dem Fanprojekt geschehen

, was bei mir ehrlich gesagt eher Kopfschütteln verursacht, vom FP Braunschweig aber als "pädagogisch sinnvoll" bezeichnet wurde

Die örtlichen SV'ler hatten die "Möglichkeit", durch eine "Wiedereingliederungsmaßnahme in die Fanszene durch das Fanprojekt" (???)

die SVs auf Bewährung zu bekommen (wie stellte man sich das vor: Ein Eid auf die Reichskriegsfahne?). Ein Großteil lehnte das ab. Ergebnis war, dass die UB auch nach Ablauf ihres SVs 2010 nicht mehr zu Spielen der ersten Mannschaft kamen und erst seit vergangenem Spieltag wieder im Stadion sind (und zwar in der Nordkurve).

Naja, wenn es das Fanprojekt dort für wichtiger erachtete, Heim und Gästefans weitgehend zu trennen, statt Druck auf den Verein für Umbauten in Block 15 auszuüben, um einem antirassistischen Gegenpol zur rechtsdominierten Fankultur seinerzeit in Block 8+9 zu unterstützen, ist das deren Sache (gewesen). Aber es zeigt, dass man in BS dem rechten Spektrum wenig entgegensetzte.
Interviews, wie dieses, lassen auch heute noch Bedenken aufkommen, auch, wer so als "verdienter Ordner" eingesetzt wird. Gut, das die Sache endlich thematisiert wird.