Ein Auszug aus der
Antwort an Herrn Strutz. Darin steckt viel wahres.
Weiter sprechen Sie von einer „Solidarität der wahren Fußball-Fans“ und treiben damit einen Keil in die Fanszene von Mainz 05. Wer sind die wahren Fans? Und wer bestimmt das? Sind wir nicht alle Mainz 05-Fans? Diejenigen, die alle zwei Wochen zu den Heimspielen kommen? Diejenigen, die unsere Mannschaft nur vor dem Fernseher verfolgen (können)? Aber nicht auch die, die zu JEDEM Spiel unserer Mannschaft fahren, immer und überall? Die Urlaubstage und Geld opfern um das Team, in aller Regel, 90 Minuten fast bedingungslos zu unterstützen? Die aber auch kritisch sind und nicht alles abnicken, was im Verein und im Fußball generell passiert? Steht es Ihnen zu zu beurteilen, wer wahrer und wer falscher Fan ist?
Ihre nächste Aussage schlägt dem Fass dann leider den Boden aus: „Sich hinzustellen und zu sagen: Ich mache nichts - das geht auch nicht. Dann sollen sie halt zu Hause bleiben.“ Herr Strutz, würden Sie das auch den Besuchern auf den VIP-Plätzen und in den Logen der Haupttribüne sagen, die auch oftmals nichts zur Stimmung beitragen. Die Minuten vor dem Halbzeitpfiff ihre Plätze verlassen um ans Buffet zu stürmen und dann wiederum nach der Halbzeit erst später wieder auf der Tribüne Platz nehmen. Die auch gerne mal bei einem Rückstand in der 80. Minute nach Hause gehen. Auch wir bezahlen Eintrittsgeld. Wir unterwerfen uns mit Betreten des Stadions auch nicht der Verpflichtung, Stimmung zu produzieren.
Die Aussagen von Strutz haben ziemliches Explosionspotential. Es steht für das Fanprojekt in Mainz also einiges an Arbeit an. Hoffentlich ist diese überhaupt zu leisten: Letzter Stand war, dass dort wohl eine Stelle gestrichen werden soll...
Naja, die Situation außerhalb des Fanprojektes in Mainz ist beinahe immernoch besser, als es bei Eintracht Braunschweig gelaufen ist. Nachdem die Cattiva, von der ich selbst nicht das beste Bild habe, zum Schweigen in Block 9 aufgerufen hat, stellt sich Trainer Lieberknecht offen gegen die aktive Fanszene und
fordert in der Presse den Rest des Stadions faktisch zu einer Spaltung der Fanszene auf. Das ist ihm bestens gelungen - die unkritische Masse folgt ihrem Führer. Glückwunsch, Herr Lieberknecht! Ergebnis waren offene Anfeindungen (insbesondere durch Block 8 ) gegen den schweigenden Block 9, als man sich dort anschickte, auch bei La Ola nicht mitzumachen (!). Es flogen Becher. Kommentare wie "Wir sind Braunschweiger und ihr nicht" von Menschen, die man in der 3. Liga vermutlich niemals auswärts und erst als Spitzenreiter zuhause angetroffen hat, waren eine Konsequenz. Gesänge gegen Block 9 kamen auf, ausgestoßen von einer ganzen Reihe Fußball-Kunden... Peinlich, BTSV, so gegen die eigene aktive Fanszene vorzugehen! Gipfel: Die Mannschaft begibt sich - angeblich auf Anweisung des Chefspalters Lieberknecht - nach dem letzten Spiel vor der Winterpause nicht mehr zu Block 9, um sich für den dauerhaften Support eines ganzen Jahres zuhause und auswärts zu bedanken. Traurig, traurig... Die Eisernen quittierten die Haltung der Braunschweiger zurecht mit "Ihr seid nur ein Wellness-Publikum"-Gesängen.
Manchmal ist Zusammenhalt und Solidarität für das große Ganze einfach wichtiger, als der egoistische Blick auf 3 Punkte. Die ohnehin angespannte Lage in der Braunschweiger Szene dürfte auf dem Weg zum Höhepunkt des größten Erfolgs seit bald 30 Jahren kurz vor dem Zerreißen stehen. Lieberknecht, Blind vor Aufstiegserwartung, hat sich damit einen Bärendienst erwiesen. Dieser Konflikt wird neben dem nach wie vor ungelösten Problem der rechtsextremen Prügelfans (bei dem man schnell Partei ergriffen hat, statt die Vorwürfe der "Initiative gegen rechte Hooligan-Strukturen" ernst zu nehmen und zu überprüfen) weiter schwelen. So etwas kann dann auch mal den Aufstieg kosten. Und so kommt dann auch die Spaltung des restlichen ggf. unpolitischen Publikums als Preis für 3 lächerliche Punkte gegen Union als Bumerang zurück. Wäre aber vermutlich auch besser so: Bei allem, was dort gut läuft, hat der Verein nun ein zweites Mal sehr deutlich gezeigt, dass der BTSV in schwierigen Situationen nicht erstligatauglich ist.
When the going gets weird, the weird turn pro. It never got weird enough for me.
Hunter S. Thompson
VIVA MADIBA! VIVA MANDELA!