Faszinierend, was mittlerweile alles möglich ist. Wenn man sich diese Entscheidung anschaut, braucht sich niemand mehr Gedanken über den wahren Grund der Spielabsage in Mannheim machen. Ich verstehe den KSV im Rahmen dieser Entscheidung auch nicht, denn 500 Lilien wären bestimmt in Nordhessen aufgeschlagen, es könnte schließlich deren letzte lohnenswerte Reise für lange Zeit werden.
Auf der anderen Seite fragt man sich, ob und ggfs. wie stark der KSV sich eine Einflussnahme in diesem Zusammenhang überhaupt leisten kann bzw. konnte. Ich sage nur "Bewährung", drohende Punktabzüge und überhaupt. Da die Personenkontrollen in dieser Saison ausgesprochen entspannt gehandhabt wurden und das hier bereits diskutiert wurde, kann natürlich auch in gewisser Weise Angst vor zu erwartenden pyrotechnischen Auffälligkeiten im Rahmen des Spiels eine Rolle gespielt haben. Vielleicht hat es ja bereits entsprechenden Druck aufgrund der Frankfurter Rauchbombe beim letzten Heimspiel von Seiten des DFB gegeben. Jetzt könnte der KSV zur Entschuldigung zumindest vorbringen, alles im Vorfeld geschluckt zu haben. Mensch, ist das alles traurig.
Eins fällt mir in dem Zusammenhang natürlich auch noch ein. Durch die Vorkommnisse der brisanteren Spiele in den zurückliegenden Tagen und Wochen, gerade auf unterer Ebene - es sei nur auf die massiven Unterbrechungen am Sonntag in Halle hingewiesen, bei dem sich ein übermotivierter Hallenser Ordner genötigt fühlte, einen Magdeburger, der auf dem Zaun saß, herunterzuziehen, woraufhin sich dieser schwere Verletzungen zuzog und mit dem Rettungswagen aus dem Stadioninnenraum abtransportiert werden musste - geht dem DFB und der Polizei momentan der ***** auf Grundeis. Das Ansinnen der Vertreter der unterklassigen Traditionsmannschaften, die Bundesligareserven aus dem Spielbetrieb zu verdammen, ist damit aus meiner Sicht von vornherein zum Scheitern verurteilt. Weder die Bundesligavereine noch der DFB haben ein Interesse daran, insbesondere im Osten, das ständig wiederkehrende Theater der 3. Halbzeit erleben zu müssen. Sportliche Bedeutungslosigkeit wird mittelfristig damit möglicherweise dazu führen, dass sich niemand mehr für derartige Traditionsvereine "unten" interessiert. Das schwierige Klientel sucht sich dann vielleicht andere Beschäftigungen oder erstickt am besten die Alltagsfrustrationen freundschaftlich im Alkohol.
So wird die Entwicklung absehbar. Ziel kann damit im Grunde eigentlich nur die Hoffenheimisierung der Bundesliga sein, zähneknirschend wird man dann über die Konflikte zwischen Schalke und Dortmund hinwegsehen. In der dritten Liga sollten dann optimalerweise nur noch die Reserven vor jeweils ca. 500 Rentnern kicken. Wenn man dann schon einmal soweit ist, könnte man im Grunde gleich auf Auf- und Abstiegsszenarien verzichten, dann macht man aus den 36 Profivereinen vier "Regionalkonferences" und lässt die Familie mit viel Pausenmusik und Chearleadergirlies bespaßen.
Ich habe da langfristig ein ganz mieses Gefühl und glaube, wir erleben gerade den Anfang...
schnurz