Was - damit alle folgenden Aktionen ein Erfolg werden - vor allem stehen muss, sind ein Konzept, Ehrlichkeit und Transparenz. Statt nur zu sagen "wir sparen an allen Ecken und Enden" (das klingt einfach nur hilflos), muss ein plausibler und überprüfbarer Entschuldungsplan mit definierten Milestones her: 2016 sollen die Verbindlichkeiten um Betrag x, 2017 um Betrag y, 2018 um Betrag z reduziert werden etc. Es sollten Controlling-Instrumente benannt werden, die künftig verhindern, dass weiterhin mehr Geld ausgegeben als eingenommen wird. Und Konzepte müssen eingehalten werden. Zur Erinnerung: Wir befanden uns mitten in der Laufzeit eines Entschuldungskonzepts und die Außenstände sind explodiert. Das öffentliche Autreten des Vereins muss durch Ehrlichkeit geprägt sein. Keine Nebelkerzen mehr und keine Aussagen, deren Halbwertzeiten nicht größer als 90 Fußballminuten sind.
Ohne vorab zu erklären, wie die Reise wann wohin gehen soll, werden alle noch so gut gemeinten Aktionen mehr oder weniger verpuffen. Bei den Dimensionen, die die finanzielle Schieflage erreicht hat, genügt es nicht, ein paar Kröten von Fans einzusammeln. Wenn der Turnaround gelingen soll, muss die ganze Region aktiviert werden. Damit das gelingt, müsste aber zunächst ein Plan her. Das wäre auch dem neuen Vermarkter zu wünschen. Eine Ansprache potentieller und früherer Unterstützer fällt deutlich einfacher, wenn man einen klar definierten Weg aufzeigen kann. Ich hoffe, bei den Ex-Sponsoren wird genau analysiert, was die Gründe für den Ausstieg waren und wie man sie zurückgewinnen kann. Daraus sollte man dann idealerweise lernen und die gleichen Fehler nicht wiederholen. Abgewanderten Geldgebern sollte man nicht nur das alte Sponsoringpaket wieder unter die Nase halten, sondern es mit konkreten Mehrwerten für den Sponsor garnieren, ggf. mit Rückkehrerrabatt.
Ein wichtiges Zeichen wäre auch ein Schuldenschnitt, bei dem die Gläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Das kann man natürlich von niemandem verlangen, ein starkes Zeichen an die Öffentlichkeit wäre es aber allemal. Dadurch würde das "Gemeinsam machen wir den Kahn wieder flott" noch einmal unterstrichen und die Wahrnehmung, nur andere sollten jetzt für die verfehlte Vereinspolitik zahlen, würde vermieden. Für die langfristige Überlebensfähigkeit des KSV ist dieser Schuldenschnitt sowieso unausweichlich, fragt sich nur, ob freiwillig oder im Rahmen einer Insolvenz. Denn in der Regionalliga baust Du keine zwei Millionen Schulden ab.
Ich wünsche den neuen Vorstandsmitgliedern jedenfalls viel Erfolg bei der Herkulesaufgabe, vor der sie stehen. Zu wünschen ist ihnen, dass sie nicht nur Teilbereiche des Vereins verbessern, sondern dass sie in der Lage sein werden, den KSV als Ganzes umzukrempeln. Denn nur dann wird der Turnaround gelingen. Ein einfaches "Weiter so" mit partiellen Verbesserungen wird nicht reichen.
Edit: Und als spezielle Unterstützungsmaßnahme wünsche ich mir unter dem Motto "Tradition erhalten" Raiffeisen-Retro-Trikots zum Retterpreis von 194,70 EUR. Bitte, bitte, bitte
